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Tipps & Tools für AppDesigner

Teil4: App Designer sind Matrjoschkas

Designer gehören bei Apple zu den Wortführern. Anders als in so mancher Agentur-Klitsche haben sie dort die wichtige Rolle, das Produkt so attraktiv zu machen, dass Menschen es kaufen wollen. Apps sind auch Produkte. Daher sind App Designer digitale Produkt-Designer und sollten sich erstens darüber klar sein, dass sie eine besondere Rolle im Projekt haben (mit vielen Anforderungen) und das Standing entwickeln, diese Rolle würdevoll zu vertreten. „Mach mal eben schön“ ist dann nicht mehr das, worau Designer anspringen.

App Designer sind Matrjoschkas – wieso?

Kennen Sie die? Matroschkas oder eben Matrjoschkas, das sind diese aus Holz gefertigten mit Verzierungen bemalten, russischen Puppen, die man ineinander schachteln kann. Kaum öffnet man eine, kommt die nächste heraus und dann die nächste und die nächste. Die kleinste kann man nicht mehr öffnen, die darf einfach so aus Vollholz sein. Würde man superkorrekt sein wollen – in den meisten Agenturen geht es aber nicht superkorrekt zu – bräuchte man allein für die Konzeption einer App ähnlich wie für die Konzeption von Software mehrere Rollen. Diese will ich Ihnen vorstellen, weil sie hervorragend zeigen, wie viele unterschiedliche Dinge es zu bedenken gibt. Wie viele dieser Rollen Sie selbst letztendlich einnehmen werden, hängt von Ihnen und Ihren Fähigkeiten ab. Wenn Sie merken, dass Sie etwas nicht erfüllen können, benötigt es an dieser Stelle eine Wissenserweiterung in Ihnen, von extern (z.B. durch einen erfahrenen Freelancer) oder intern – vielleicht auch bei Mitarbeitern, bei denen Sie es nicht gleich vermutet hätten. Beispiel: jemand aus dem Marketing kann super Tests vorbereiten und Nutzer akquirieren und diese Tests auswerten.

  • User Centered Requirements Engineer zum Aufnehmen der Anforderung an den sicht- und erfahrbaren Teil der App; sprich: was kann der Nutzer alles mit der App tun? Der Übergang zu den technischen Anforderungen ist fließend und deshalb gehört zu dieser Rolle technisches Verständnis und die Fähigkeit, sich technische Infos aus dem Team zu holen.
  • Interaktionsdesigner beantwortet die Frage, wie der Nutzer das, was er mit der App tun kann, tut. Welche Navigations- und Interaktionselemente dazu genutzt werden. Diese sind plattformspezifisch für iOS, Android, Windows, Blackberry & Co., manchmal ähnlich, häufig dokumentiert in den Human Centered Guidelines der jeweiligen Plattform.
  • Usability Engineer, der sich darum sorgt, dass der Nutzer effizient, frustfrei und zielführend seine Bedürfnisse in der App auf Screen-Ebene erfüllen kann. Vielleicht kann man es so ausdrücken: ein Interaktionsdesigner hat den Spaß im Fokus, ein Usability Engineer die Effizienz.
  • Informationsarchitekt, dessen Aufgabe die Erstellung einer Struktur zum Auffinden von Informationen und die Darstellung derselben in der App ist. Er achtet darauf, dass die Navigationsstruktur in einer App konsistent ist – dem Nutzer also in allen Übergängen sinnvoll erscheint.
  • Informationsdesigner, der sich vor allem bei komplexeren Darstellungen von Informationen darum kümmert, dass diese den Nutzer einnehmen, Daten überschaubar und gut zu merken sind, dass sie auch Lust auf mehr machen (und nicht Widerwillen auslösen), dass sie korrekt dargestellt sind – beispielsweise Proportionen stimmen. Informationsdesigner sind in zweiter Linie um die Ästhetik bemüht, in erster um die Verständlichkeit und die schnelle Erfassung seitens des Nutzers.
  • User Interface Designer, der dem bisherigen Konzept auf Screen-Ebene eine Anmutung gibt, Kleidung überzieht, die zur Plattform und zum Nutzen der App passt. In meiner Wahrnehmung macht der UI-Designer hier einen Kompromiss aus folgenden Anforderungen:
    • Den UI-Guidelines von Google, Apple & Co., die sehr umfangreiche Dokumentationen erstellt haben, wie das User Interface einer App für die spezifische Plattform beschaffen sein soll. Sie definieren Größen, Farben und Interaktionselemente sehr konkret – also (density)-pixelgenau – und machen Vorschläge zu Buttons, Listen, Feldern, Text etc. Sie müssen sich hier nichts aus den Fingern saugen und machen es sich leichter, wenn Sie diese Unterlagen studieren.
    • Dem, was gerade „in“ ist. Die von Windows ausgelöste Flat-Welle ist immer noch da und Googles Material Design mit seinem starken Schlagschatten ist in vielen Android Apps zu sehen. Alles sieht ähnlich cool aus, also sind wir als Designer auch davon beeinflusst. Dennoch haben wir den Anspruch, etwas Eigenes einzubringen.
    • Den Erwartungen der Firma an das Branding oder das Einhalten einer Corporate Identity. Meine Gedanken hierzu haben speziell damit zu tun, dass ein vorhandenes Branding oder eine CI nicht immer mit dem Charakter einer App zusammenpasst. Klar, man kann eine Website in eine App hineinquetschen. Die App ist aber wie eine andere Spezies. Sie ist kein Print-Produkt, Sie ist keine Webseite. Sie hat Ihren eigenen Rahmen, in dem ihr eigener Charakter erschaffen wird. Ein in der Firma vorhandener Charakter, der sich für Print-Produkte super machte, kann in der App völlig verloren aussehen oder unzeitgemäß oder eben schlecht adaptiert sein. Finde ich beispielsweise so bei der easyJet-App. In meiner Wahrnehmung hat ein Webdesigner hier seine erste App gestaltet. Es ist zwar alles von der Größe angepasst, aber es sieht einfach nach einer leicht ranzigen Webseite aus – eine schicke easyJet App zu machen, wäre gar nicht so schwer und hätte möglicherweise weniger Zeit in Anspruch genommen. Ein Überarbeitungsbeispiel dazu, kommt auf den nächsten Seiten.
  • Und schließlich gehört die Rolle des Usability Testers hinzu, der dafür sorgt, dass die App – oder besser noch ein Prototyp der App – rechtzeitig mit Nutzern getestet wird. Mit rechtzeitig meine ich wirklich recht zeitig. Am besten nach den ersten 5 bis 7 relevanten Screens.

[1] http://visual.ly/infographic-understanding-growth-information

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