iPhone – Wenn Apple Handys baut, werden daraus Mini-Computer, die den PC abschaffen

Karolina Schilling  Follow on Twitter
UX Designer & Consultant | ks@muppetti.de
9. Mai 2016

iPhone – Wenn Apple Handys baut, werden daraus Mini-Computer, die den PC abschaffen

Wie Steve Trends verbesserte

Als Steve Jobs 2007 das erste iPhone der begeisterten Anhängerschaft vorstellte, gab es schon Smartphones, sogar schon seit den 90er-Jahren. IBM, Nokia und BlackBerry waren damals erfolgreich am Markt. Vielleicht erinnern Sie sich an Menschen, die ein silbernes Ding mit vielen kleinen Tasten in der Hand hielten, unterwegs Mails checkten und mit so einem Plastikstift (einem Stylus) auf dem Monitor des Smartphones Tippgeräusche machten? Es gab sie also schon, diese Smartphones, aber dass sie nun jeder haben wollte, schien nicht der Fall zu sein. Es schien eine eigene Spezies von Nutzern. Vielleicht Geschäftsreisende, die immerfort ihre Termine nachsehen mussten, sogar schon E-Mails checkten, um diese im Zug zu lesen. Oder Freaks, die meinten, sie müssen viele Dinge auf ihrem Smartphone machen. Doch viele Leute konnten sich nicht vorstellen, was sie damit hätten tun sollen. Es wirkte noch nicht wie etwas, das jeder brauchte. Und dann ging immer dieser Plastikstift verloren, bah!

Steve meinte am Tage der Präsentation des ersten iPhones, sie würden heute Geschichte schreiben. Das Ergebnis seiner Visionskraft und seines Anspruches hat ein Gerät erschaffen, das die damalige Smartphone-Welt auf den Kopf gestellt, ja, durchgerüttelt und neu definiert hat. Steve witzelte auf der Bühne, dass sie heute drei Innovationen vorstellen würde: ein neuartiges Mediengerät, ein neuartiges Telefon und ein Gerät, mit dem wir unsere Kommunikation revolutionieren würden. Die Anhängerschaft jubelte, pfiff, lachte. Steve grinste leicht und zwinkerte wissend. Er hatte schon einige Revolutionen der Computerwelt eingeführt: die Perfektionierung der Maus als Eingabegerät, die Einführung der Macs, die Auferstehung der im Sterben liegenden Musikindustrie mit dem Launch von iTunes. Endlich konnte jeder im Netz völlig legal einzelne Songs günstig erwerben und auf dem revolutionären iPod hören – 1000 Songs in Deiner Tasche. Das war spektakulär.

Born to be a hype

Und nun zog Steve das handliche Telefon heraus. Elegant sah es aus. Nur ein großer Screen und ein Knopf. Okay, wie bedienen wir es, fragte er in die große Runde. Mit einem Stylus? O ja! – Nein.

Wir bedienen es mit dem Finger. Und wieder Jubel.

Alles, was an Knöpfen benötigt wird, zeigt die Software direkt auf dem Screen an: Tastaturen, Buttons, Elemente zum Scrollen. Damit hatte Apple den Touchscreen auf den Markt geworfen und allen Smartphone-Nutzern ihr intuitivstes Eingabemedium zurückgegeben: den Finger. Oder Daumen. Wie Sie wollen.

Wenn man unter all diesen Höhepunkten noch einen weiteren ausmachen möchte, dann diesen: Dieses Gerät, dieses mobile Telefon, dieses Smartphone war die Miniatur eines Macs. Und Macs waren schon damals bekannt für ihre Power und ihr rattenschnelles, modernes und schickes Betriebssystem, das Mac OS6.

Diese unerhörte Rechenkraft war nun auf kleinstem Raum gezähmt. Steve taufte dieses Betriebssystem auf den Namen iOS.

Apple war kein klassischer Handy-Hersteller wie Nokia. Und genau dieser Hintergrund – diese andere Sichtweise auf das Handy – hat alles anders gemacht: Das Handy war kein Handy mehr, sondern ein komprimierter Computer für die Hosentasche. Ausgestattet mit einem mächtigen Betriebssystem konnte nun eine beliebige Anwendung darauf laufen und was auch immer tun oder anzeigen: die Telefon-App, die SMS-App, die Kamera-App, die Rech- ner-App, die Kalender-App, die Mail-App, die Internet-App (Safari), die Musik-App (iTunes) . . .

Diese Kombination aus intuitiver Bedienung über den Touchscreen, unendlicher Software – Sie tragen täglich ein Telefon, eine Kamera und das Internet mit sich herum . . . und vermut- lich noch zehn andere Apps aus dem Store – war eine riesige, marktverändernde Revolution, die einen Hype unglaublichen Ausmaßes, Gewinns, Nachahmens, Begehrens nach sich zog.

Steve nannte diesen Hype iPhone.

Die großen Handy-Hersteller waren schockiert, desorientiert von diesem genialen Konzept. Unmengen von Menschen wollten jetzt ein iPhone, und als wäre das alles nicht schon genug, führte Apple 2008 auch noch den App Store ein. Die App-Welle schwappte über uns und unseren Alltag. OMG. Oh my God.

Quellangaben – von oben nach unten:

  • Bild 1: Der kompakteste und humorvollste Ausschnitt der Mobiltelefon-Geschichte, den ich gesehen habe. Vom Motorola DynaTAC 8000X von 1983 bis zum iPhone 2007 ist ganz schön viel passiert. Vor allem: Tasten sind verschwunden – nicht zur Freude aller, aber als Start der Touchscreen-Revolution. http://img.dgtle.com/forum/201409/04/143702tekzuu4hzug455jm.jpg
  • Bild 2: Links im Bild das Nokia N954, rechts der BlackBerry-Killer Motorola Q5. Beide Phones hatten Farbdisplays, verfügten über E-Mail-Kommunikation, Instant Messaging und Dokumenten- Viewer. Vor allem in Asien gab es zahlreiche Smartphone-Modelle, die in Europa gar nicht auf den Markt kamen. http://www.gsmarena.com/nokia_n95-1716.php und http://www.gsmarena.com/motorola_q_9h-1871.php
  • Bild 3: Apple hat nicht das Smartphone erfunden. Apple hat aus dem PC einen Touchscreen- Mini-Computer gemacht, eine Unterhaltungs- und Kommunikationszentrale. https://cdn3.vox-cdn.com/thumbor/C6kTIkvvrxi4FUa09mo6U9BW8-E=/1020×0/ cdn0.vox-cdn.com/uploads/chorus_asset/file/689810/iphone3gs.0.jpg

 

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