UX Designer werden: Vom Web zur App

Karolina Schilling  Follow on Twitter
UX Designer & Consultant | ks@muppetti.de
1. Dezember 2017

UX Designer werden: Vom Web zur App

Du möchtest den Sprung vom Webdesigner zum UX Designer wagen? Und damit Deine Kenntnisse und Fähigkeiten erweitern? Wunderbar! In diesem Artikel erkläre ich Dir, was der grundlegende Unterschied zwischen dem Nutzungserlebnis (User Experience) im Web und dem der mobilen Apps ist. Falls Du aus dem Webdesign kommst und schon früh damit begonnen hast, kann dieser Artikel eine gute Basis für das Verständnis der App-Welt sein. In der App-Welt sind Nutzer mobil und haben von überall Zugriff auf Dienste.

Das alte Nutzungserlebnis – statisch

Als das Internet noch eine stationäre Angelegenheit war und die Nutzer vor ihren Desktop-PCs saßen, war Web User Experience hauptsächlich auf das Nutzungserlebnis auf der geöffneten Webseite ausgerichtet. Die drei Faktoren, die damals die UX von Webseiten extern beeinflussen konnten, waren: Schnelligkeit der Internetverbindung und so auch Ladegeschwindigkeit der Seite, die Monitorgröße und das Browsermodell. Diese drei konnten das Nutzungserlebnis schmälern oder angenehm machen.

Vor gerade mal 10 Jahren kamen die Smartphones mit dem mobilen Internet und haben diese Web-Idylle in eine rasende Metropole verwandelt. Plötzlich kann man im Café sitzen und Mails checken, chatten, Fotos hochladen, Fahrzeiten von Bussen nachschlagen, Taxis rufen.
Und es kommen immer mehr Geräte hinzu, die wir am Körper tragen können wie die Smart Watches oder Smart Glasses. Damit können wir uns noch freier bewegen. Mit ihnen interagieren wir natürlicher oder zumindest anders als mit Smartphones – zum Beispiel über Sprache. Ihre Rechenleistung ist so groß, dass Apps ausgeführt werden können, ihre Bildschirme sind aber so winzig, dass eigentlich nur noch ein großer Button darauf Platz findet. Und als wäre das nicht anspruchsvoll genug, sind sie mit Sensoren ausgestattet, die alles und jeden in der Umgebung messen können. Vom Beschleunigungs-, Helligkeits-, Fingerabdrucks-, Hall-Sensor zur Messung von Magnetfeldern (?!) bis hin zum Pulsmesser kann alles auf kleinstem Raum eingebaut sein und von Apps darauf zugegriffen werden.

Mobil braucht flexibles Denken

Was heißt das jetzt für UX Designer? Etwas ziemlich Paradoxes steht da vor uns. Die eine Seite ist: wir müssen unser Denken weiten. Die technischen Gegebenheiten sind da, wir sollten sie kennen (lernen). Und wir sollten wissen, was alles in und um Apps herum machbar ist. Die andere Seite ist: trotz der unendlichen Möglichkeiten wird eine App immer begrenzt sein. Einfach, weil wir und unsere Nutzer immer noch Menschen sind. Die menschliche Aufmerksamkeit ist begrenzt. Je mehr in der Umgebung los ist, desto mehr gleicht die Aufmerksamkeit einer Brise, die über das Gerät huscht und nur noch nach Daten Ausschau hält, die im Augenblick relevant sind.
Ähnlich verhält es sich in einer schnelllebigen Welt zahlloser Reize mit der menschlichen Geduld. Das vorhandene Maß wird über den Tag hinweg verbraucht und was übrig bleibt, ist unter Umständen nur noch ein Hauch davon für unsere Apps.

Als UX Designer bestimmst Du den Fokus des Nutzers

Deswegen müssen wir beim Konzipieren von Apps zu Essenz- und Fokus-Experten werden. Wir kennen das unendliche Universum der Möglichkeiten und wir wissen wie wir diese auf kleinem Raum unterbringen, damit sie dem Nutzer in seinem Kontext überhaupt zugänglich werden. Das ist unsere Hauptaufgabe als UX Designer: das Machbare so zu verpacken, dass es in der heutigen Zeit mit all ihren Ablenkungen und Ansprüchen nutzbar wird.

Wie Du das meisterst, erkläre ich Dir in meiner Artikel-Serie.