UX Konzepte sind das echte Design

Karolina Schilling  Follow on Twitter
UX Designer & Consultant | ks@muppetti.de
16. Februar 2018

UX Konzepte sind das echte Design

Die schmerzhafte Wahrheit ist: es kommt nicht zuerst auf das Design an. Es kommt darauf an, wie die Sache funktioniert, wie sie sich verhält, wie sie dem Nutzer entgegenkommt und ihm ermöglicht das, was er dachte er mit der Anwendung tun könne, auch tatsächlich tun kann. Und das ist das Konzept. Es dreht sich also in diesem Artikel darum, was man mitbringen muss, um ein UX Konzept zu erstellen. Denn natürlich wirkt sich das Konzept auf die User Experience aus. Daher braucht es jemanden, der sich dem UX Konzept widmet und dabei prozedurales Vorstellungsvermögen hat – also eine gute Vorstellung für Abläufe – und den Willen zur Vereinfachung.

Was ist überhaupt ein UX Konzept und wie kann man es erstellen?

Das UX Konzept ist das Ergebnis der Überlegung und des Ausprobierens davon, wie ein Produkt oder Service funktionieren soll. Und zwar aus mehreren Perspektiven: Für den Nutzer auf der Nutzungsebene und natürlich für den Programmierer auf der technischen Ebene. Früher standen sich die Usability und die technische Umsetzung oft im Wege und es wurde mit Annahmen gearbeitet, dass Nutzer doch bitteschön eine Anwendung zu lernen hätten. Diese Zeiten sind vorbei und heute sollte man von keinem Smartphone-Nutzer, der tagtäglich Apps nutzt, abverlangen, sich einer App anzupassen. Umgekehrt ist der Fall und daher ist das UX Konzept tatsächlich das Ergebnis einer wohlüberlegten User Experience  und der schnurrenden Technik im Hintergrund.

Was heißt es, eine App zu konzipieren?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass wenige Kunden sich diese Schrittabfolge selbst vorstellen können. Oft begreifen sie es erst mit den Wireframes und sehen, wie viele (logische) Schritte noch notwendig sind, um beispielsweise an das Ende einer Bestellung oder eines Foto-Uploads zu kommen. Und selbst dann, ist ihnen häufig nicht klar, wohin Daten gehen oder woher sie kommen. Dass eine App beispielsweise eine Verbindung zu einem Backend, einer API (einer Schnittstelle) oder zu einem Cloud-Service hat, ist wichtiger Bestandteil, um Hürden in der Usability mit Screen-Design zu überbrücken.

Als Konzepter verstehst Du, wann und was die App mit dem User kommuniziert und ebenfalls, was im Hintergrund passiert. Dass zu einem bestimmten Zeitpunkt ein Server angesprochen wird oder Daten geladen werden. Je mehr Du selbst Bescheid weißt, desto mehr freuen sich die Entwickler über Dein Konzept, das ihnen zuspielt. Um das Zusammenspiel von Anfang an auf einer soliden Basis zu entwickeln, holst Du Dir in einer ruhigen Minute* einen oder mehrere der aufgeschlossenen Programmierer-Kollegen für eine (und gern mehrere) Session dazu. Du stellst ihnen Dein Konzept vor, zeigst den Ablauf der App und freust Dich über ihr Feedback. Auch, wenn es Dein Konzept umwirft – Du wirst etwas sehr Wertvolles lernen, das gleich im nächsten Projekt zum Einsatz kommt.

Genauso machst Du es mit den Kollegen vom Marketing, mit dem Kunden und falls es doch einen separaten Designer geben sollte, mit diesem. Das Team soll das Konzept kennen, dazu beisteuern und möglichst früh in den Entstehungsprozess der App integriert werden. So verbindest Du die verschiedenen Perspektiven in der Konzeption. Mit dem Prototyp kannst Du dieses Rund-um-Konzept dann am Nutzer testen.

Aufgaben und Know-how eines UX Konzepters

  • Kreativität → yes!
  • Breite Allgemeinbildung → ja, vor allem über das analoge und digitale Zeitalter
  • Strategisches, analytisches und strukturiertes Denken → oh ja, die [wirren und ausufernden] Ideen des Kunden müssen sortiert, geordnet, strukturiert werden, eine Form finden (MindMap, Wireframes etc.)
  • Expertise in der Marketing-Kommunikation und in der Informationsvermittlung → yep, als Konzepter sollte man auch mit der Marketing-Abteilung sprechen können und ebenfalls Konzepte anderer Produkte analysiert und verstanden haben
  • Interdisziplinarität → und noch besser: Hybrid Thinking; also mehrere Disziplinen miteinander verbinden können; allgemeingültige Prinzipien erkennen können
  • Professionelle Schreibfähigkeiten, gutes Ausdrucksvermögen → klar, man muss das Konzept ja gut verstehen können; immerhin wird das ganze Team sich darauf stützen
  • Hohe Team- und Kommunikationsfähigkeit → oh ja! Du verbindest den Kunden und seine Wünsche mit der Zielgruppe, Du verbindest die Ansprache mit den Features und das alles, indem Du mit allen anderen im Projekt effizient kommunizierst
  • Beherrschung von Präsentationstechniken → Du setzt Dich für die Nutzer ein und brauchst dementsprechend eine klare Linie, die Du am besten mit Testergebnissen unterstützt.

Gute Kenntnisse in allen für das jeweiligen Feld relevanten und angrenzenden Bereichen → Apps und Smartphones, Phablets, Internet, ehm… und ein wenig Programmierung – wenigstens, was da grob geht und was nicht. Developer-Talk ist angesagt, yeaj!

Wenn Dich das jetzt alles erschreckt und Du denkst, „oh man, wie…?“, dann lass Dir dieses mit Wohlwollen gesagt sein: Beginne Deinen Weg und lerne. Das ist der eigentliche Trick: nicht mit dem Lernen aufzuhören. Dann wirst Du gut. Und danach sehr gut.

 

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